Wenn man durch das staatliche Raster fällt...


…scheint man nicht mehr existent zu sein.

 

Am 29.03.2015 hatte ich meinen Termin beim Arbeitsamt. Als ich dort ankam, konnte ich durch die Tür meine Betreuerin erspähen. Und wie ich es mir dachte, saß da eine Frau, die mit ihrem Smartphone spielte. Na toll, dachte ich mir, das kann ja heiter werden.

 

Nach einer freundlichen Begrüßung erklärte ich dieser meine aktuelle Situation:

  • Mobbing durch Kollegen und Chef
  • keine Vertragsverlängerung, da Kollegin aus Mutterschutz zurück
  • bisher um die 200 Bewerbungen geschrieben
  • die meisten davon Absagen
  • viele Qualifizierungen durch Weiterbildungen
  • Auslandsaufenthalt zur Genesung der Gesundheit (Attest von meiner Ärztin bezüglich Mobbing)
  • Auslandsaufenthalt zur Verbesserung meiner Englischkenntnisse (heutige Arbeitgeber immer mehr mit Beweisen gefordert).
Ich erklärte ihr ebenfalls, dass ich im Moment beruflich und auch gesundheitlich mit dem Rücken zur Wand stehen würde. Nicht mehr ein, noch aus weiß.

Laut dem Gesetz bin ich aber nicht arbeitssuchend oder arbeitslos, da ich mich länger als 6 Wochen im Ausland, was ja meinem beruflichem Weiterkommen und somit am Ende auch dem Staat dient, befinde. Damit aber nicht sofort oder unverzüglich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünde, keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld habe.

 

Ich bin aber auch zum Reisezeitpunkt (3 Monate) nicht angestellt, demnach also im staatlichen System nicht existent, da ich keine Steuern zahle (kein Einkommen) und nicht beim Arbeitsamt registriert.

 

Eine Sperre wird für mich ab Juli 2015, denn dann gelte ich als arbeitssuchend bzw. arbeitslos nach dem Gesetz, nicht eintreten aufgrund des oben genannten wichtigen Kündigungsgrund ohne neuen Arbeitgeber. Eine Eigenkündigung muss daher wohl überlegt sein:

  • Aussicht auf neue Stelle: feste Zusage oder auch nur nachweislich konkrete Aussichten auf neue Stelle auch wenn Jobwechsel dann nicht klappt (LSG Hamburg, Urteil vom 01.02.2012, Az. L 2 AL 49/09)
  • Fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer möglich: Arbeitgeber wiederholt unpünktlich oder zu wenig gezahlt (LSG Hamburg, Urteil vom 14.01.2010, Az. L 5 AL 21/08)
  • Überforderung durch Arbeit: nachweislich überfordert sind und einfach nicht mehr können (LSG Hessen, Urteil vom 18.06.2009, Az. L 9 AL 129/08), Vorlage medizinischen Attests ist wichtig
  • Gemeinsamer Haushalt von Eheleuten: bei eingetragenen Lebenspartnerschaft zusammenziehen
  • Erziehungsgemeinschaft: mit Lebenspartner zusammenziehen für Gründung Erziehungsgemeinschaft zur Verbesserung Betreuung von Kindern (Interesse des Kindeswohls; BSG, Urteil vom 17.10.2007, Az. B 11a/7a AL 52/06 R).

Am Ende des “tollen” Beratungsgespräch, wonach mir meine Betreuerin erklärte, dass sie viele Leute kennen würde, die so etwas auch schon einmal gemacht haben, mir aber keinen konkreten Tipp, außer mal nach Förderprogrammen für Auslandsaufenthalte zu googeln, fragte ich sie, woran es liegen könnte, dass ich bisher nur Absagen auf meine Bewerbungen bekommen habe.

 

Die Antwort hat mich doch etwas überrascht, obwohl ich es schon geahnt hatte: Sie sind eine junge Frau Ende 20 und könnten ja noch einen Kinderwunsch haben.

 

Ein Ausschlusskriterium für potentielle Arbeitgeber. Soll ich etwa in meinen Bewerbungen schreiben, dass ich diesen Wunsch wirklich und wahrhaftig nicht hege und sie mich gerne an einen Lügendetektor anschließen können.

 

Bezahlt eigentlich das Amt eine Geschlechtsumwandlung oder kann ich jetzt wegen Diskriminierung ständig vor Gericht ziehen? Was wird aus den Sozialversicherungen?

 

In diesem Sinne: Willkommen in meinem Leben als Frau in einem Land, wo über Frauenquote diskutiert wird und werden muss.

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