Dunkles Geheimnis


Warum habe ich mir das wieder aufgetragen? Hat mein Ego erneut gewonnen. Diesen 7.000er musst du noch besteigen, dann kannst du dich mit Reinhold Messner messen.

 

Naja, nun bin ich hier. An der Felswand. Es wird dunkel. Das nächste Zwischenlager werde ich wohl nicht mehr erreichen. Das ganze habe ich mir einfacher vorgestellt. Früher hattest du doch auch keine Probleme. Früher, das ist ein gutes Stichwort. Man wird halt doch nicht jünger.

 

Jetzt erblicke ich auch noch die dunklen Wolken am Himmel, die schnell auf mich zu fliegen. Der Wind wird auch immer stärker. Mich friert’s. Ich muss einen Unterschlupf finden. Verdammt, ich sehe nur Gestein und riesige Felswände.

 

Meine Finger sind steifgefroren. Höher klettern schaffe ich auf keinen Fall. Mein Blick schweift von rechts nach links und wieder zurück. Ich brauch mehr Licht. Gut, dass ich die Stirnlampe noch eingepackt habe.

 

Was sehe ich da in ungefähr 100 m? Sieht wie eine Höhle aus. Langsam bewege ich mich nun in Richtung des schwarzen Loches, den ich in der Felswand entdeckt habe. Die linke Hand schützt mein Gesicht, die rechte hält den Pickel hoch, um mich jederzeit verteidigen zu können.

 

Angekommen blicke ich vorsichtig in den Höhleneingang. Scanne ihn. Kann nichts Gefährliches entdecken. Hier werde ich also den anbrausenden Storm absitzen und mich für die nächste Etappe vorbereiten. Ich trete hinein, lasse den schweren Rucksack auf den Boden fallen. Ich spüre die Steine unter meinen Füßen. Da muss ich jetzt durch.

 

Schlafmatte ausgepackt, setze mich drauf. Bin sehr erschöpft. Die Höhle ist kleiner als gedacht und sehr dunkel. Eine Nacht wird es schon gehen. Feuer anzünden, Dose öffnen, Essen darin erhitzen und speisen. Mehr braucht man doch eigentlich nicht.

 

Hmmm, ein wenig Gesellschaft wäre schon nicht schlecht. Ich fühle mich hier einsam. Ob schon andere diese Höhle hier entdeckt haben? Spuren kann ich keine sehen.

 

Das Feuer wärmt, es wird kuschelig und spendet mir zusätzliches Licht. Irgendwie fühle ich mich hier wie Alice im Wunderland. Zu groß in einem kleinen Raum.

 

Schnell noch die Eindrücke in mein Tagebuch eintragen. Soll ich das Geheimnis, diese kleine Höhle hier, verraten? Schließlich soll aus den Eintragungen ein Buch entstehen.

 

Nein, ich erwähne es nicht. Hier kann ich ich selbst sein, ohne dass jemand auch nur irgendetwas kritisieren kann. Ein wenig Geborgenheit macht sich breit und ich merke, wie mir die Augen erschöpft zu fallen und ich in einen tiefen erholsamen Schlaf sinke.

 

Datum: 03.03.2016

Urheber: FF 3/16

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