Panama


Es ist stürmisch. Mal wieder. Der Wind fegt alles um, was nicht niet- und nagelfest ist. Mich würde dieser Umstand nicht stören.

 

Wenn ich nicht noch heute zu diesem wichtigen Geschäftsessen gehen müsste. Mein Chef hatte mir nahegelegt, ich solle mich mehr für die Firma einsetzen. Für die Firma, hinter der ich nicht mehr stehen kann. Es ist einfach zu viel schiefgelaufen.

 

Alle 10-15 min. checke ich mein Smartphone in der Hoffnung, dass das ganze doch noch abgesagt werden würde. Vielleicht fällt die Bahn aus. Oder es gibt einen Stromausfall hier im Stadtviertel. Das Glück ist allerdings, wie so häufig in letzter Zeit, nicht auf meiner Seite.

 

Zum krönenden Abschluss des Ganzen muss ich zum spießigen Anzug auch eine Krawatte tragen. Ich kann nicht mal eine binden. Glücklicherweise gibt es ja diese neumodischen Dinger, die man einfach so an den Kragen klippen kann. Merkt auch keine Sau, dass das ein Fake ist.

 

Im Restaurant angekommen unterhalten sich bereits die angekommenen Partner. In dem Moment denke ich an meinen Chef, der mir Tag für Tag eingeprügelt hat, wie wichtig dieser Termin ist und welches Außenbild ich von unserer Firma vermitteln soll.

 

Eines nachts wachte ich erschrocken auf, weil ich im Schlaf an meiner Schulter berührt wurde. Sogleich schoss mir der eingeübte Text aus dem Mund. Entgeistert schaute mich meine Frau an. „Du arbeitest zu viel.“, sagte sie.

 

Nein, dachte ich, ich werde gedrillt wie im Bootcamp. Diesen Termin werde ich noch wahrnehmen, hatte ich mir damals geschworen, dann ist Schluss damit. Mein Fluchtplan aus dem Hamsterrad habe ich schon seit Wochen geschmiedet:

 

Ich wäre gern in Panama.

 

Datum: 07.04.2016

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