Der letzte Keks


 

Die Blume stinkt. Es ist bestimmt das faulige Wasser im Topf. Ich sollte das mal auskippen. Hätte meine Mutter bei ihrem letzten Besuch nicht geschrien: „Kleene, rupp‘ mal das Fenster auf, hier stinkt’s!“, hätte ich es bis heute nicht bemerkt.

 

Seit dem Unfall im Chemieunterricht damals kann ich nichts mehr riechen. Aber ich sehe es natürlich ein. Sollen sich doch meine Gäste auch hier wohlfühlen. Eigentlich schade, dass mir der Geruchssinn abhandengekommen ist.

 

Wie gerne habe ich den Frühling gerochen oder die leckeren Kuchen, die meine Mutter früher immer gebacken hat. Wo ich gerade von Kuchen spreche, bemerke ich, wie mein Magen knurrt. Lauter und furchteinflößender als der Hund meines Nachbarn.

 

Ich schaue in den Kühlschrank. Nix mehr da. In den letzten Tagen hatte ich so viel auf dem Zettel. Beruflich und privat, sodass ich ganz vergessen habe, einkaufen zu gehen. Ein Blick auf die Uhr. 10 min. vor 10. Der Supermarkt um die Ecke schließt gleich.

 

Das schaffe ich nie und nimmer. Selbst wenn ich Flügel hätte. Von Hunger getrieben reiße ich einen Schrank nach dem anderen auf. Nur Geschirr. Gläser, Becher, Schüsseln, Teller und zahlreiche Tupperdosen von meiner Mutter. Leider ohne essbarem Inhalt.

 

Am letzten Schrank angekommen, entdecke ich in der hinteren Ecke noch eine Keksschachtel. Hoffnungsvoll blicke ich hinein. Stelle fest: Das ist der letzte Keks in der Packung.

 

 

Datum: 07.04.2016

 Urheber: FF 4/16

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